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Die Ernährung reguliert das Verhalten  • Zufuhr von Energie, eine Aufgabe, die
                                                             des Hundes: Die gleiche Nahrung in  vor allem den Nahrungsfetten zu-
               Hundeernährung:eine Besonderheit alsTeil des  derselben Schüssel, am selben Ort zur  kommt, aber auch den nicht-faserhal-
               Ganzen
                                                             gleichen Zeit ist ein wesentlicher Beitrag  tigen  Kohlenhydraten  in  einer
                                                             für sein psychisches Gleichgewicht.  Nahrung.
               Die ESVCN (European Society of Veterinarian and
               Comparative Nutrition/Europäische Gesellschaft für tier-
               ärztliche und vergleichende Ernährung) wurde 1991 inWien  Dank tierärztlicher Forschungen hat  • Vorsorgende Ernährung, eine Rolle,
                                                             sich das traditionelle Konzept der  die der Nahrung zugesetzte Nährstoffe
               von europäischen Ernährungswissenschaftlern gegründet.Sie
               ist weltweit anerkannt,zu ihren Mitgliedern zählen namhafte  Ernährung, das den Erhalt des  übernehmen  (Antioxidanzien,
               Wissenschaftler aus Europa und Nord- sowie Südamerika.  Organismus durch Zufuhr von Energie  Heilerden, vitaminähnliche Stoffe); sie
               Jedes Jahr nehmen einige hundertTierärzte aus allerWelt an  und lebensnotwendigen Stoffen vor-  nehmen direkten Einfluss auf die
               dem internationalen Kongress der Gesellschaft teil.  sieht, weiterentwickelt. Die Dimension  Vorsorge gegen Erkrankungen der
                                                             der Vorsorge und häufig auch Heilung  Nieren, Verdauungsprobleme, Kampf
               DieWissenschaftler dieser Non-Profit-Organisation widmen
               sich der vergleichenden Betrachtung der Ernährung aller  sind  heute  feste  Bestandteile.  gegen Alterungsprozesse,…
               Tierarten, von Nutz- und Heimtieren bis zu Wildtieren und  „Gesundernährung“ ist im Fall des
                                                             Hundes zu einem Fakt geworden.  • Nähren und Heilen, die Wirkung be-
               Exoten.Sie fördern das allgemeine Interesse an diesem vete-
                                                                                             stimmter Nährstoffe kann eine wichtige
               rinärmedizinischenTeilgebiet,die Forschung undVerbreitung
                                                                                             Rolle im Heilungsprozess und in der
               desWissens in derTierernährung und von Erkrankungen,die  Die Ziele
               in Zusammenhang mit Ernährung stehen. Sie fördern die                         Rekonvaleszenz spielen, indem sie die
               Ausbildung vor und nach Erhalt eines akademischen Grades  Die Ernährung verfolgt heute vier klar  Heilung vonTieren unterstützen, die an
               sowie dieAnwendung der klinischenTierernährung alsTeil der  definierte Zielsetzungen:  bestimmten Erkrankungen leiden.
               Ausbildung an den Hochschulen.
                                                             • Aufbau und Erhalt des Organismus,
               Die ESVCN ist die Muttergesellschaft des 1998 gegründeten
                                                              Aufgabe der Proteine (und vor allem
               European College ofVeterinary and Comparative Nutrition
                                                              ihrer wesentlichen Bestandteile, den
               (ECVCN). Seine Absolventen sind als Diplomates hoch spe-
                                                              zehn unverzichtbaren Aminosäuren),
               zialisierte, international anerkannte und gesuchte Experten auf
                                                              der Mineralstoffe und Spurenele-
               dem Gebiet derTierernährung.
                                                              mente, der Vitamine und bestimmter
                                   Tierärztin Professor Ellen Kienzle  Fette (derer, die Bestandteile der
                              Ludwig-Maximilian-Universität München  Zellmembranen sind).

                    Vergleich derVerdauungsmerkmale              Erwachsener Mensch                   Hund
              Gewicht desVerdauungstraktes imVerhältnis zum  10 bis 12%                    2,7 % bei riesigen und 7 % bei kleinen
              Körpergewicht                                                                Hunden
              Oberfläche der Riechschleimheit                3 bis 10 cm²                  60 bis 200 cm²
              Riechzellen                                    2 bis 10 Millionen            80 bis 220 Millionen
              Geschmacksknospen                              9000                          1700
              Gebiss                                         32 Zähne                      42 Zähne
              Kauen                                          länger                        sehr reduziert
              Verdauungsenzyme im Speichel                   ja                            nein
              Dauer einer Mahlzeit                           30 bis 60 Minuten             1bis 5Minuten
              täglicher Energiebedarf                        1.800 bis 2.500 kcal/Tag      130 bis 3500 kcal/Tag
              ph-Wert im Magen                               2bis 4                        1bis 2
              Länge des Dünndarms                            6bis 6,5m                     2bis 6m
              Länge des Dickdarms                            1,5 m                         20 bis 80 cm
              mittlere Dauer desVerdauungsprozesses          3 Tage                        24 bis 48 Stunden
              Bedarf an Kohlenhydraten beim Erwachsenen/ausgewachsenenTier  60 bis 65 % derTrockensubstanz  sehr wenig
              Bedarf an Proteinen beim Erwachsenen/ausgewachsenen Tier  8 bis 12 % der Trockensubstanz  20 bis 40% der Trockensubstanz
              Bedarf an Fetten beim Erwachsenen/ausgewachsenen Tier  25 bis 30 % der Trockensubstanz  10 bis 65% der Trockensubstanz
              Ernährungsgewohnheit                           Allesfresser                  überwiegender Fleischfresser



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