Page 235 - Stiftung Warentest - Warenkunde Brot - Gutem Brot auf der Spur
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Hefe



          Mit Hefen wird seit der Entdeckung des Sauerteiges, also mindestens seit 3700 v.
          Chr. gebacken. Damals waren es noch zufällig eingefangene wilde Hefen. Heute
          wird mit Hefen gebacken, die auf spezielle Eigenschaften hin gezüchtet wurden.


          Die ersten Hefen außerhalb der Verwendung von Sauerteig stammen aus der

          Bierherstellung. Bereits im 15. und 16. Jahrhundert wurde mit obergärigen flüssigen
          Bierhefen Brot gebacken. Diese Hefen hatten allerdings auch Jahrhunderte später noch
          nicht die heutige Qualität.



                Wenn man zu viel oder zu alten Sauerteig genommen hat, so schmeckt das
                Brod darnach, und ist säuerlich; hat man aber zu viel oder verdorbene
                Bierhefen genommen, so ist das Brod sauer und bitter, im Munde kleberig, und
                noch weit schlechter, als das, so mit schlechtem Sauerteige eingemacht
                worden.



          Johann Georg Krünitz im 1789 erschienenen 22. Band der „Oekonomischen Encyklopädie“



          Ende des 18. Jahrhunderts wechselten die Bierbrauer von obergäriger auf untergärige
          Hefe. Da zum Backen ausschließlich obergärige Bierhefe geeignet ist, begann nun die
          vom Bier unabhängige Produktion von Backhefe auf Getreidebasis. Aus den
          Niederlanden kam das entsprechende Verfahren nach Deutschland und wurde 1800 in

          einer ersten Hefefabrik umgesetzt.


          Was ist Hefe?



          Hefen sind runde einzellige Pilze mit einem Durchmesser von fünf bis zwölf
          Mikrometer (0,005–0,012 mm). Sie vermehren sich entweder durch Teilung oder durch
          Sprossung und können sowohl mit als auch ohne Sauerstoff leben. Beides findet im
          Brotteig als Hefevermehrung (mit Sauerstoff) beziehungsweise Hefegärung (ohne

          Sauerstoff) statt. Als Nahrung dienen Zuckerstoffe. Stoffwechselprodukte sind
          überwiegend Kohlenstoffdioxid und Ethanol (Alkohol), letzteres entsteht ausschließlich
          während der Gärung. Die Hefen vermehren sich optimal bei circa. 26 °C und gären am

          besten bei etwa 32 °C. Backhefe hat eine hervorragende Triebkraft, ist aber im
          Gegensatz zu weniger stark selektierten Arten anfällig gegenüber Säure, Fett oder Salz.
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