Page 237 - Stiftung Warentest - Warenkunde Brot - Gutem Brot auf der Spur
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Frischhefe als Würfel zu 42 g Gewicht (links), Trockenhefe (rechts)


          Die ersten Herstellungsstufen werden unter sterilen Bedingungen im Labor durchgeführt,
          später in bis zu 200 Quadratmeter großen Behältern. Am Ende wird die Hefe aus dem
          Heferahm ( Hefemilch, Hefesahne) über Separatoren abgetrennt. Aus wenigen

          Milligramm Ausgangsmasse entsteht so innerhalb von anderthalb Wochen die fast
          zehnmilliardenfache Hefemenge.


          Für die handelsübliche Frischhefe (Presshefe) wird der Wassergehalt der separierten
          Hefe mittels Filterpressen oder Rotationsfilter auf circa 70 Prozent eingestellt. Wird die
          Frischhefe in winzige Zylinder geformt und mit warmer Luft auf einen Wassergehalt von

          circa fünf Prozent getrocknet, entsteht aktive Trockenhefe. Trockenhefe wird meist ein
          Emulgator gegen das zu starke Austrocknen zugesetzt. Ein Gramm Trockenhefe
          entspricht ungefähr drei Gramm Frischhefe.



          Herstellung von Biohefe


          Bei der konventionellen Hefeproduktion fallen große Mengen organischer und
          chemischer Abfälle an, die aus Sicht des Umweltschutzes bedenklich sind. Außerdem

          werden oft Hilfsstoffe wie Enzyme eingesetzt, die aus gentechnisch veränderten
          Mikroorganismen stammen. Gentechnisch veränderte Hefen selbst sind momentan nicht
          auf dem deutschen Markt.






             Tipp   vom Profi


             Einige Bäcker experimentieren mit wilden Hefestämmen (zum Beispiel aus Blüten oder von Früchten), Hefen
             aus der Weinherstellung oder Aromahefen, um geschmackliche Nuancen ins Brot zu bekommen. Die
             schwächere Triebkraft wird durch längere Teigruhezeiten und hefeoptimierte Temperaturen ausgeglichen.




          Ökologischere Herstellungsverfahren arbeiten ohne anorganische Salze und Säuren,
          ohne synthetische Hilfsstoffe, Entschäumer und Vitamine. Die Hefekulturen werden wie

          in den Anfangsjahren der industriellen Hefeherstellung auf einem Getreidenährboden
          gezüchtet (meist auf Basis von enzymatisch verzuckertem Weizen). Inzwischen gibt es
          auch die Möglichkeit, Hefe auf Basis von Bio-Melasse zu produzieren. Als

          Entschäumer der Maische wird Sonnenblumenöl verwendet. Das Prozesswasser muss
          nicht entsorgt werden, sondern kann für weitere Produkte Anwendung finden.
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