Page 265 - Stiftung Warentest - Warenkunde Brot - Gutem Brot auf der Spur
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wurden die Brote einerseits durch schalenreiche Nachmehle, die aber deutlich weniger
          Schalenanteile als Vollkornmehle haben. Außerdem wurde auf dem Land eher der
          dunklere Roggen und in den Städten eher der hellere Weizen verbacken. Spätestens seit
          dem Mittelalter wurden verschiedene Auszugsmehle durch Absieben mit Beuteln

          hergestellt (gebeutelt).


          Erst Ende des 19. und im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde Vollkornbrot zum
          Gesundheitsbrot stilisiert. Die Gründe dafür sind vielfältig. Wissenschaftliche Analysen
          bescheinigten dem vollen Korn hervorragende Eigenschaften, darunter ein hoher
          Mineralstoffgehalt, viele Ballaststoffe und Vitamine. Mit verbesserter Analytik kamen

          auch immer mehr Stoffe zum Vorschein. So wird heute auch vielen im Vollkorn
          enthaltenen sekundären Pflanzenstoffen gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt.
          Vollkorn wird Diabetikern empfohlen, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Auch die

          Lebenserwartung ist nachgewiesenermaßen mit vollkornreicher Ernährung größer. Der
          große Vorteil von Vollkorn ist sein Ballaststoffreichtum, der eine ausgewogene
          Darmflora sowie die Verdauung fördert und lange sättigt.






             Tipp    vom Profi


             Bei Vollkornbroten ohne Sauerteig sollten Sie auf lange Verquellungszeiten achten, damit die
             Getreidebestandteile für unsere Verdauung ausreichend aufgeschlossen werden können. Empfehlenswert sind
             mindestens acht bis zwölf Stunden. Lange Teigruhezeiten, die Arbeit mit Vorteigen, Quell-, Brüh- und
             Kochstücken ist angeraten.




          Ist Vollkorn giftig?



          Die Frage, ob Vollkorn oder nicht Vollkorn, ist scheinbar einfach zu beantworten, aber
          Vollkorn hat auch Schattenseiten. Eine besondere Rolle spielen dabei meist die zu den
          sekundären Pflanzenstoffen zählenden Antinutritiva, also Stoffe, die den Körper daran
          hindern, Nährstoffe aufzunehmen. Im Vollkornbereich sind das vor allem Phytat, Lektine,

          Alkylresorcine und diverse Enzyminhibitoren. All dies sind Pflanzenabwehrstoffe, die
          Fraßfeinde daran hindern sollen, die Pflanze zu befallen. Sie beeinflussen die
          Bekömmlichkeit von Vollkornprodukten. Der Gehalt an diesen und anderen

          Abwehrstoffen wurde durch Züchtung verringert, aber zum Preis der Anfälligkeit
          gegenüber Schädlingen. Ergebnis ist der verstärkte Einsatz von Pestiziden. Die
          Abwehrstoffe sind meist an die Getreideschale gebunden und somit auch nur ein
          Problem für Vollkornprodukte.
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