Page 423 - Philosophie und Politik: Staatstheorien von Platon, Cicero, Machiavelli und Thomas Morus (Vollständige deutsche Ausgaben)
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auf Vertheilung der Gewalt und auf geregelte Ordnung sich keine mit
derjenigen vergleichen lasse, welche unsere Väter von unsern Vorfahren
ererbt und auf uns vererbt haben. 183 Und weil ihr denn doch, was ihr
ohnedieß wußtet, von mir wolltet vortragen hören, so will ich denn,
wenn ihr es wünschet, nicht nur ihre Einrichtung schildern, sondern auch
beweisen, daß sie die beste ist; und wenn ich dann unsere Verfassung als
Muster dargestellt habe, will ich daran, wo möglich, meine ganze übrige
Erörterung, die ich euch über die beste Staatseinrichtung versprochen
habe, anknüpfen. Gelingt mir Dieß, und komme ich damit zu Stande, so
wird die mir von Lälius gemachte Aufgabe, denke ich, mehr als
hinlänglich [ganz befriedigend] gelöst seyn.
Gut, sagte Lälius; das ist eben, mein Scipio, so ganz die rechte
Aufgabe für dich. Wer sollte denn besser, als du, über die Einrichtungen
unserer Vorfahren sprechen können, da deine Vorfahren selbst so
hochberühmte Männer waren? Wer besser über die beste
Staatseinrichtung? Denn wenn wir sie besitzen, (wiewohl Dieß
gegenwärtig nicht der Fall ist,) Wer kann dann mehr hervorstrahlen, als
du? oder Wer über die Maßregeln, die für die Zukunft zu ergreifen seyn
möchten, da du die beiden Schrecknisse unserer Stadt 184 abgewendet,
und dadurch für alle Zukunft für sie gesorgt hast.
Einige Fragmente des ersten Buches, deren Stelle nicht
nachzuweisen ist.
[– Offenbar haben wir dem Vaterlande mehr Wohlthaten zu verdanken,
und es ist älter und heiliger, als die Eltern, die uns erzeugt haben: darum
gebührt ihm auch größere Dankbarkeit, als unsern Eltern selbst. –
Nonius.]
[– Ohne verständige Einrichtung und ohne Handhabung derselben
hätte sich Karthago nicht fast 600 Jahre auf einer solchen Höhe erhalten
können. – Nonius.]
[– Ja, alle ihre [der Griechischen Philosophen] Untersuchungen,
mögen sie auch für Tugend und Wissenschaft sehr förderlich seyn,
möchten doch in Vergleichung mit Dem, was diese Männer [die großen
Römer] in der Wirklichkeit und im Leben durch ihre Thaten leisteten,
der Menschheit nicht so viel praktischen Nutzen gewährt haben, als
geistigen Genuß in geschäftfreier Muße. – Lactantius Inst. III, 16.]
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