Page 32 - Haftung für Gefahrguttransporte in Europa : zur außervertraglichen Haftung für Gefahrguttransporte zu Lande, zu Wasser und mit Luftfahrzeugen by
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8                                     2 Teil: Internationale Haftungsregelungen

                        schaftskommission der Vereinten Nationen für Europa  (UNECE) verabschie-
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                        det. 2
                           Lediglich Deutschland und Marokko haben das Übereinkommen in der nach
                        Art. 22 Abs. 1 CRTD vorgesehenen Frist vom 01.02.1990 bis zum 31.12.1990
                        gezeichnet,  bisher allerdings nicht ratifiziert; einziger  Beitrittstaat ist seit dem
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                        16.09.2005 Liberia. 2  Damit das Übereinkommen selbst in Kraft treten kann, müs-
                        sen nach Art. 23 Abs. 1 CRTD aber  mindestens vier  weitere Staaten die CRTD
                        ratifizieren oder ihr beitreten.
                           Die Bundesregierung hatte daher zunächst ein qualifiziertes Vertragsgesetz ge-
                        plant, durch das eine innerstaatliche Vorabanwendung der CRTD ermöglicht wer-
                        den sollte, welche unabhängig von der weiteren völkerrechtlichen Entwicklung der
                        CRTD gewesen  wäre.  Bereits im Juni  1989 stellte das  Bundesjustizministerium
                        den Entwurf eines rein innerstaatlichen Gesetzes über die Haftung bei der Beför-
                        derung von gefährlichen Gütern zur Diskussion, zog diesen Entwurf jedoch nach
                        Verabschiedung der CRTD wieder zurück. 2
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                           Obwohl sich  der Binnenverkehrsausschuss der ECE  bemühte, durch  Befra-
                        gungen der einzelnen Staaten und Einberufungen von Expertensitzungen 2  die
                                                                                         28
                        Akzeptanz der CRTD zu erhöhen, kann man inzwischen davon ausgehen, dass
                        das Übereinkommen völkerrechtlich nicht mehr in Kraft treten wird.
                           Auch wenn die CRTD in der Praxis keine Rolle mehr spielen wird, enthält sie
                        doch wichtige Grundsatzentscheidungen, die bei der Erarbeitung eines Lösungs-
                        vorschlags auf europäischer Ebene von Nutzen sind. Sie wird daher hier behan-
                        delt.
                           Nach Art. 31 Abs. 2 lit. b) CRTD sind nur die Fassungen des Übereinkom-
                        mens in englischer, französischer und russischer Sprache gleichermaßen verbind-
                        lich. Das Recht  der Beitrittsstaaten,  die  nach  Art. 24 Abs. 1 CRTD  zulässigen
                        Vorbehalte zu erklären, bestand nach  Abs. 2 des Art. 24 CRTD  nur  bis  zum
                        02.02.1995. Alle künftigen  Beitrittsstaaten können dem Übereinkommen somit
                        nur noch vorbehaltlos beitreten.
                           Bei der CRTD handelt es sich um einen völkerrechtlichen Vertrag. Da nicht
                        jede Detailfrage in der CRTD selbst geregelt ist, müssen ungewollte wie gewollte
                        Lücken geschlossen werden. Handelt es sich um eine ungewollte Lücke in einem
                        völkerrechtlichen Vertrag, so sind  zunächst die  allgemein anerkannten Ausle-
                        gungsmethoden 2  (grammatische, systematische, historische und teleologische
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                        Auslegung) und darüber hinaus die vertragsautonome Auslegung sowie die nicht

                        25  Ausführlich zur Entstehungsgeschichte Evans, CRTD – Explanatory Report, S. 1 ff; Richter-
                          Hannes, RabelsZ 1987, S. 357 (358 ff.); Bremer, S. 335 ff; Stör, S. 29; Schmidt, S. 101 ff.
                        26  http://www.unece.org/trans/danger/publi/crtd/status.html (Stand: 08.08.2010).
                        27  Renger, VersR 1992, S. 778.
                        28  Der aktuelle Stand der Arbeiten wird veröffentlicht unter:
                          http://www.unece.org/trans/danger/publi/crtd/crtd_e.html (Stand: 08.08.2010).
                        29  Kropholler, Internationales Einheitsrecht, S. 260.
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