Page 33 - Haftung für Gefahrguttransporte in Europa : zur außervertraglichen Haftung für Gefahrguttransporte zu Lande, zu Wasser und mit Luftfahrzeugen by
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2 Teil: Internationale Haftungsregelungen                            9

                           abschließenden 2  Auslegungsregeln der Art. 31 - 33 des Wiener  Vertragsrechtsü-
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                                                                  31
                           ber-einkommens vom 23. Mai 1969 (WVK) 3  zu beachten. 3  Bei gewollten Lü-
                                                                               32
                           cken muss der Rechtsanwender diese jedoch mit Hilfe des vom internationalen
                           Privatrecht berufenen nationalen Rechts schließen. Die Schwierigkeit besteht dar-
                           in, beide voneinander zu unterscheiden.



                           I. Anwendungsbereich


                           1. Sachlicher Anwendungsbereich
                           Die CRTD regelt die außervertragliche zivilrechtliche Haftung für Schäden bei der
                           Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße, auf der Schiene und mit Binnen-
                           schiffen. Dies ergibt sich bereits aus dem Titel des Übereinkommens sowie aus
                           dem Umkehrschluss aus Art. 3 Abs. 1 CRTD, nach dem das Übereinkommen auf
                           vertragliche Ansprüche gerade keine Anwendung findet.
                              Um Überschneidungen mit anderen internationalen Übereinkommen 3  zu
                                                                                             33
                           vermeiden wurden ferner der Transport auf Seeschiffen und Luftfahrzeugen vom
                           Anwendungsbereich ausgenommen (Art. 3 Abs. 5 CRTD) ebenso wie die Haftung
                           für durch Kernmaterial verursachte Schäden, soweit diese von dem Pariser und
                           Wiener Übereinkommen erfasst sind (Art. 4 lit. b CRTD).
                              Ebenso sind Regelungen über Systeme  der gesetzlichen Unfallversicherung
                           oder der sozialen Sicherheit nach Art. 3 Abs. 2 CRTD gegenüber der CRTD vor-
                           rangig. Dadurch soll ein  möglicher  Konflikt zwischen den  Bestimmungen der
                           CRTD und den anwendbaren Sozialversicherungssystemen vermieden werden. 3
                                                                                              34
                              Im Allgemeinen  bewirkt diese  Regelung den  Ausschluss der Ansprüche des
                           Beförderungspersonals, so dass die CRTD letztlich gemäß ihrer Bestimmung nur
                           die Schäden unbeteiligter Dritter ersetzt. 3
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                              Neben  bereits eingetreten Schäden sind aber  auch  Schutzmaßnahmen zur
                           Verhütung oder Einschränkung dieser Schäden nach Art. 2 lit. b) vom Anwen-
                           dungsbereich erfasst.




                           30  Karl, Die spätere Praxis im Rahmen eines dynamischen Vertragsbegriffs, in: Bieber/Ress, S. 81.
                           31  BGBl. 1985 II, S. 926 ff.
                           32  Linhart, S. 33 ff.
                           33  Insbesondere das Übereinkommen über die Haftung und Entschädigung für Schäden bei der
                             Beförderung gefährlicher und schädlicher Stoffe auf See (HNS-Übereinkommen) sowie das
                             Zweite Römer Haftungsabkommen von 1952, (Evans, CRTD - Explanatory Report, S. 25 f.).
                           34  Evans, CRTD - Explanatory Report, S. 22.
                           35  Stör, S. 38.
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