Page 34 - Haftung für Gefahrguttransporte in Europa : zur außervertraglichen Haftung für Gefahrguttransporte zu Lande, zu Wasser und mit Luftfahrzeugen by
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10                                    2 Teil: Internationale Haftungsregelungen

                        2. Räumlicher Anwendungsbereich
                        Der räumliche Anwendungsbereich erstreckt sich auf  alle Schäden,  die im Ho-
                        heitsgebiet eines Vertragsstaates auftreten, Art. 2 lit. a) CRTD. Nach dieser Be-
                        stimmung muss der Schaden allerdings nicht nur durch ein Ereignis in einem Ver-
                        tragsstaat verursacht worden sein, sondern auch in einem Vertragsstaat eintreten.
                           Auch wenn der Schadenseintritt und das verursachende Ereignis  nicht not-
                        wendigerweise in demselben Vertragsstaat eintreten müssen, wird der räumliche
                        Anwendungsbereich durch diese Regelung erheblich eingeschränkt. Denn falls der
                        Schaden in einem  Vertragsstaat verursacht worden ist, aber sich ausschließlich
                        oder auch nur zum Teil in einem Nichtvertragsstaat manifestiert, können die Ge-
                        schädigten dort nicht nach der CRTD vorgehen. 3  In den meisten Fällen wird der
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                        Ort des Schadensereignisses aber wohl mit dem Ort des Schadenseintritts iden-
                        tisch sein. 3
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                           Anders ist es bei Schutzmaßnahmen. Diese sind nach Art. 2 lit. b) CRTD zu
                        ersetzen, unabhängig davon, wo sie getroffen worden sind. Denn die Schutzmaß-
                        nahmen stellen durch die Tatsache, dass sie zur Verhütung von Schäden in einem
                        Vertragsstaat getroffen  werden,  einen  ausreichenden Bezug zum Hoheitsgebiet
                        dieses Vertragsstaates her. 3
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                           Die CRTD unterscheidet überdies nicht zwischen grenzüberschreitenden und
                        rein nationalen Beförderungen gefährlicher Güter und ist daher auf beide an-
                        wendbar. 3
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                           Vom Anwendungsbereich sind schließlich Schäden ausgenommen, die bei ei-
                        ner Gefahrgutbeförderung entstehen, welche ausschließlich auf einem der Öffent-
                        lichkeit nicht zugänglichen Gelände  (z.B. auf einem privaten Betriebsgelände)
                        durchgeführt wird, Art. 4 lit. a) CRTD. 3
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                        II. Haftung des Beförderers



                        1. Kanalisierung der Haftung auf den Beförderer
                        Nach Art. 5 Abs. 1 CRTD haftet, wer im Zeitpunkt eines Ereignisses Beförderer
                        gewesen ist. Es haftet also grundsätzlich allein der Beförderer für die durch Ge-
                        fahrguttransporte verursachten Schäden (Kanalisierung der Haftung).



                        36  Zu den Hintergründen ausführlich Evans, CRTD - Explanatory Report, S. 21.
                        37  Richter-Hannes, RabelsZ 51 (1987), 357 (387).
                        38  Evans, CRTD - Explanatory Report, S. 21.
                        39  Evans, CRTD - Explanatory Report, S. 21.
                        40  Ausführlich dazu Bremer, S. 344 ff.
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