Page 34 - Taschenbuch Michel Grassart, Abbè Pierre die Wahrheit...
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die Scheibe einschlug, um zu zeigen, was in mir vorging,
und dass ich mich lieber von dieser grausamen Welt ver-
abschieden wollte als noch weiter leiden zu müssen. Die
Briefe wurden aber entdeckt, und es hieß immer wieder:
Hör endlich auf mit diesem Blödsinn, Michel, oder du
wirst böse Schläge ernten! Dadurch ließ man uns/mich
durch die Vormundschaftsbehörden diverse Male psy-
chologisch abklären, aber die mussten der Heiligkeit alles
beichten, da verschloss ich mich immer vehementer.
Dabei hieß es in einem Attest der Vormundschaftsbe-
hörde, Michel ist sehr depressiv und einfach sehr labil. Er
ist zu keiner Zusammenarbeit fähig etc. Nein, ich ver-
schloss mich aus gutem Grunde. Der Idiot sollte mich
nicht analysieren oder meine Seele sezieren können, für
mich war das reiner Selbstschutz. Mein Bruder, dieser
Windhund, machte bei dem Zirkus der Vormundschafts-
behörde mit und dachte, es gehe ihm nachher besser
und er komme dabei ins Paradies bzw. hätte dabei einige
Vorteile, die er zu seinen Gunsten ausnützen könnte –
aber weit gefehlt. Er wurde von dem Pfarrer gegen mich
ausgespielt und fiel mir dauernd in den Rücken. Dabei
erntete er von mir oft Schläge; dennoch ist er mein Bru-
der, bis zum Heute, auch wenn er sich dem Pfarrhaus
noch verpflichtet fühlt. Eine gewisse Abhängigkeit gibt es
noch immer, mein Bruder tut mir einfach leid, traurig
aber wahr (siehe Brief von meiner Mama aus Frankreich
nach dem Wiedersehen nach 47 Jahren). Meine Ge-
schwister und ich mussten auf Wunsch unserer Pflegeel-
tern noch öfter zur Abklärung zu Psychologen oder Psy-
chiatern. Es konnte sein, laut der Aussage von Psycholo-
gen, dass wir zu viel wussten oder wahrnahmen, was so
im alltäglichen Pfarrleben ablief. Die Fragerei an mich
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