Page 53 - Was will Gott_Neat
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nen auch nicht die Macht genommen, die sie haben, zu
töten. Denn Gott hat sein Recht, Übeltäter zu strafen,
der Obrigkeit anstelle der Eltern befohlen, welche frü-
her (wie man in Mose liest) ihre Kinder selbst vor Gericht
stellten und zum Tode verurteilen mussten. Darum,
was jetzt verboten ist, nämlich selbst Gericht zu halten,
betrifft nicht die Obrigkeit.
Dieses Gebot ist nun leicht genug und wurde oft
behandelt, weil man es jährlich im Evangelium hört,
Mt. 5,21, da es Christus selbst auslegt und in einer
Summe zusammenfasst, nämlich dass man nicht tö-
ten soll, weder mit Hand, Herz, Mund, Zeichen, Ge-
bärden noch Hilfe und Rat. Darum ist es darin jeder-
mann verboten, zu zürnen, ausgenommen (wie gesagt),
die an Gottes statt sitzen, also Eltern und Obrigkeit.
Denn Gott und was in göttlichem Stand ist, darf zür-
nen, schelten und strafen, eben um derer willen, wenn
sie dieses Gebot und andere Gebote übertreten. Ursa-
che und Notwendigkeit dieses Gebotes sind, dass Gott
wohl weiß, wie böse die Welt ist und wie viel Unglück
dieses Leben hat. Darum hat er dieses Gebot und an-
dere Gebote zwischen das Gute und das Böse gestellt.
Wie es auch gegen die anderen Gebote mancherlei An-
fechtungen gibt, ist es hier auch so, dass wir unter vielen
Menschen leben müssen, die uns ein Leid antun und
wir Grund haben, ihnen feindlich gesinnt zu sein. Zum
Beispiel, wenn dein Nachbar sieht, dass du ein besseres
Haus und Hof, mehr Gutes und Glück von Gott hast
als er, verdrießt es ihn, er neidet es dir und redet nichts
Gutes von dir. Also kriegst du viele Feinde durch des
Teufels Anreiz, die dir nicht Gutes, weder leiblich noch
geistlich, gönnen; wenn man nun so etwas sieht, so will
unser Herz dagegen wüten und sich rächen. Da erheben
sich dann wieder Fluchen und Schlagen und schließlich
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