Page 58 - Was will Gott_Neat
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soll an seiner Ehefrau. Das meint den Ehebruch, denn
es war im jüdischen Volk so geordnet und geboten, dass
jeder verheiratet sein musste. Darum wurde auch früh
geheiratet. Das wurde auch der Jugend so geraten. Der
Jungfrauenstand galt nichts und öffentliches Huren-
und Bubenleben (wie jetzt) war nicht gestattet. Darum
ist der Ehebruch üblich bei ihnen gewesen.
Weil aber bei uns solch ein schändliches Durchein-
ander und Grundübel aller Untugend ist, ist dies Gebot
auch gegen alle Unkeuschheit gerichtet. Nicht nur das
wirkliche Tun, sondern auch alle Ursachen und Mittel,
die dazu reizen, sind verboten, damit Herz, Mund und
der ganze Leib rein bleiben, man keinen Raum, keine
Unterstützung und kein Zuraten zur Unkeuschheit
geben kann, und man es abwehren, sich davor schüt-
zen und sich retten kann, wenn es nötig ist. Hilf lieber
dazu, dass dein Nächster in Ehren bleibt. Denn wenn
du das unterlässt, so könnte es sein, dass du dafür bist,
oder wo du durch die Finger siehst, als würde es dich
nichts angehen, bist du ebenso schuldig wie der Täter
selbst. Kurz gesagt: Es ist so viel gefordert, dass jeder für
sich selbst keusch und rein leben und er dem Nächsten
auch dazu helfen soll; also will Gott durch dieses Gebot
jeden Ehepartner frei und geschützt haben, damit sich
niemand daran vergreift.
Weil aber dieses Gebot so exakt auf den Ehestand
ausgerichtet ist und Ursache gibt davon zu reden, sollst
du wohl verstehen und merken: Zum Ersten, weil Gott
diesen Stand so herrlich preist und ehrt, will er ihn
durch sein Gebot bestätigt und beschützt haben. Bestä-
tigt hat er ihn oben im vierten Gebot: Du sollst Vater
und Mutter ehren; hier aber hat er ihn verwahrt und
beschützt. Darum will er ihn auch von uns geehrt, ge-
halten und beschützt haben als einen göttlichen Stand.
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