Page 54 - Was will Gott_Neat
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werden Jammer und Mord daraus. Da kommt nun Gott
zuvor wie ein freundlicher Vater, legt sich ins Mittel
und will vermeiden, dass etwa ein Unglück daraus ent-
steht oder einer den andern umbringt; in der Summe
will er hiermit einen jeglichen beschirmt, befreit und
befriedet haben vor jedermanns Frevel und Gewalt und
er hat dieses Gebot als Mauer, Festung und zur Freiheit
um den Nächsten aufgestellt, dass man ihm kein Leid
noch einen Schaden am Leib antue.
Dieses Gebot zielt nun darauf ab, dass man nie-
mandem ein Leid antut wegen irgendeiner bösen Sache,
selbst wenn er es verdient hätte. Denn wo Totschlag ver-
boten ist, da ist auch alle Ursache verboten, woraus Tot-
schlag entspringen kann. Denn mancher, auch wenn er
nicht tötet, flucht doch und wünscht, dass der, der den
Fluch am Hals hat, nicht mehr weit kommt. Weil das
jedermann von Natur aus anhängt und im allgemeinen
Gebrauch ist, dass keiner vom andern etwas erleiden
will, so will Gott die Wurzel und den Ursprung weg-
räumen, durch welche das Herz gegen den Nächsten
erbittert wird und uns angewöhnen, dass wir allezeit
dieses Gebot vor Augen haben und uns darin spiegeln,
Gottes Willen ansehen und ihm das Unrecht, wenn wir
es erleiden, anbefehlen mit herzlichem Vertrauen und
unter Anrufen seines Namens und jene feindlich schar-
ren und zürnen lassen, dass sie tun, was sie können. Ein
Mensch soll also lernen, den Zorn zu stillen und ein
geduldiges und sanftes Herz in sich tragen, besonders
gegenüber all denen, die ihm Grund zum Zürnen ge-
ben, also gegen seine Feinde.
Darum ist die ganze Summe dieses Gebotes (den
Einfältigen aufs Deutlichste einzuprägen, was da heiße nicht tö-
ten) erstens der, dass man niemand ein Leid antun soll,
weder durch Worte noch Taten. Unsere Zunge sollen
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