Page 55 - Was will Gott_Neat
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wir nicht dazu gebrauchen, zuzureden oder abzura-
            ten in etwas, womit jemand beleidigt werden könnte.
            Schließlich soll unser Herz niemandem feind sein und
            nicht aus Zorn oder Hass ihm Böses wünschen. Es soll
            weder Leib noch Seele an jemandem schuldig werden,
            vor allem nicht an dem, der dir Böses wünscht oder
            zufügt; denn demjenigen Böses zu tun, der dir Gutes
            gönnt und tut, das ist nicht menschlich, sondern teuf-
            lisch.
                Zum andern ist nach diesem Gebot nicht nur der
            allein schuldig, der Böses tut, sondern auch derjenige,
            der seinem Nächsten Gutes tun, Schaden von ihm ab-
            wehren, ihn schützen und retten kann, damit ihm kein
            Leid und kein Schaden am Leib treffen, und es nicht
            tut. Wenn du einen Nackten gehen lässt, und könn-
            test ihn kleiden, so hast du ihn erfrieren lassen. Siehst
            du jemanden Hunger leiden und du gibst ihm nichts
            zu essen, so lässt du ihn an Hunger sterben. Genauso,
            wenn du jemanden zum Tode Verurteilten oder in einer
            gleichen Notlage siehst und rettest ihn nicht, obwohl
            du die Möglichkeiten dazu hast, so hast du ihn getötet.
            Und es wird nicht helfen, wenn du vorbringst, dass du
            nicht dazu geholfen, weder Hilfestellung geleistet noch
            einen Rat dazu gegeben oder dich mit Taten daran be-
            teiligt hast; denn du hast ihm die Liebe entzogen und
            der Wohltat beraubt, wodurch er am Leben geblieben
            wäre.
                Darum nennt Gott auch diejenigen alle Mörder,
            die bei Lebensgefahr weder raten noch helfen, und er
            wird ein schreckliches Urteil über sie verhängen am
            Jüngsten  Tag,  wie  es  Christus  selbst  verkündigt  und
            sagen: Ich bin hungrig und durstig gewesen und ihr
            habt mich nicht gespeist und getränkt; ich bin ein Gast
            gewesen und ihr habt mich nicht beherbergt; ich bin


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