Page 57 - Was will Gott_Neat
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räumt werden. Denn auf diese Weise würden die einfa-
chen Christen gleich viel, ja noch viel mehr gelten und
jeder würde sehen, wie sie die Welt mit einem falschen
heuchlerischen Schein der Heiligkeit verhöhnen und
verführen, weil sie dieses Gebot und andere Gebote
in den Wind geschlagen haben, als seien sie nicht nö-
tig und es seien keine Gebote, sondern nur Ratschläge.
Und dabei haben sie ihr heuchlerisches Wesen und Tun
als vollkommenes Leben gerühmt und haben damit
geprahlt, damit sie nur ja ein gutes und sanftes Leben
führen können ohne Kreuz und Leid. Darum sind sie
auch in die Klöster gelaufen, damit sie von niemandem
etwas zu erleiden haben und niemandem etwas Gutes
zu tun brauchen. Du aber sollst wissen, dass dies die
rechten, heiligen und göttlichen Werke sind, worüber
er sich mit allen Engeln freut, dagegen alle menschliche
Heiligkeit Gestank und Unrat ist, die nichts anderes als
Zorn und Verdammnis verdient.
DAS SECHSTE GEBOT
Du sollst nicht ehebrechen
Diese Gebote sind nun an sich selbst leicht zu verstehen
an dem Nächsten, denn sie weisen alle darauf hin, dass
man sich hüte, dem Nächsten irgendeinen Schaden zu
tun, und haben eine gute Ordnung. Zunächst auf seine
eigene Person; danach auf die nächste Person oder des
Nächsten Gut, welches ihm nach seinem eigenen Leib
am nächsten ist, nämlich sein Ehepartner, der mit ihm
ein Fleisch und ein Blut ist. Man kann ihm an keinem
Gut höheren Schaden zufügen. Darum wird hier auch
deutlich gemacht, dass man ihm keine Schande zufügen
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