Page 64 - Was will Gott_Neat
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räuber, Land- und Straßendiebe. Sie sitzen auf hohen
           Posten, sind ehrsame, fromme Bürger und rauben und
           stehlen und sind doch gut angesehen. Ja, hier dürfte
           man noch nicht mal von geringen einzelnen Dieben
           sprechen, wenn man die großen, gewaltigen Erzdiebe
           angreifen wollte, die nicht eine Stadt oder zwei, son-
           dern ganz Deutschland täglich bestehlen. Und wo sitzt
           denn das Haupt und der oberste Schutzherr aller Die-
           be? Auf dem Heiligen Stuhl in Rom mit all seinen Be-
           sitztümern, die er in aller Welt mit Diebereien an sich
           gebracht hat und es bis zum heutigen Tag tut. Kürzlich
           konnte man es erst in der Welt erfahren, dass, wer öf-
           fentlich stehlen und rauben kann, sicher und frei bleibt,
           von jedermann ungestraft und noch dazu geehrt wird;
           dagegen müssen die kleinen heimlichen Diebe, wenn
           sie sich einmal vergriffen haben, die Schande und Strafe
           tragen, jene aber werden für fromm und ehrbar gehal-
           ten. Doch sollen sie wissen, dass sie vor Gott die größ-
           ten Diebe sind, der sie auch strafen wird, wie sie es wert
           sind und verdienen.
               Weil nun dieses Gebot so weite Bedeutung hat, wie
           es hier aufgezeigt wird, ist es nötig, dem einfachen Volk
           wohl vor Augen zu halten und deutlich zu machen, dass
           man sie nicht so frei und sicher damit umgehen lässt,
           sondern ihnen immer Gottes Zorn vor Augen stellt und
           einprägt. Denn wir müssen solches nicht den Christen,
           sondern am meisten den Spitzbuben und Gaunern
           predigen, denen eigentlich der Richter oder der Hen-
           ker predigen sollte. Darum soll jeder wissen, dass er bei
           Gott verpflichtet ist, nicht nur seinem Nächsten keinen
           Schaden zu tun, auch nicht zu seinem Vorteil zu betrü-
           gen und im Kauf oder im Handel weder Untreue noch
           Tricks anzuwenden, sondern seine Güter auf redliche
           Art und Weise zu schützen und seinen Nutzen zu för-


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