Page 67 - Was will Gott_Neat
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noch viel mehr gestohlen wird; und wer mit Gewalt
und Unrecht raubt und Gewinne macht, einem andern
Leid antut, wird teuer dafür bezahlen müssen. Denn
die Kunst beherrscht Gott meisterlich: Wenn jemand
den anderen beraubt oder bestiehlt, den bestraft er mit
einem anderen Dieb. Woher sollte man denn sonst ge-
nügend Galgen und Stricke hernehmen?
Wer sich nun etwas sagen lassen will, der soll wis-
sen, dass es Gottes Gebot ist und er es nicht als Scherz
ansieht. Denn wenn du uns verachtest, betrügst, stiehlst
und raubst, wollen wir zwar deinen Hochmut noch
aushalten, leiden und, dem Vater Unser nach, vergeben
und uns erbarmen, denn die Frommen werden doch ge-
nug haben; du selbst schadest dir aber mehr als jedem
anderen.
Aber hüte dich, wenn die liebe Armut kommt,
wenn man jedes Geldstück ein paar Mal umdrehen
muss, bevor man es ausgeben kann, du aber weiter
machst, als müsste jedermann in deiner Gnade leben,
weiter um jedes Geldstück trickst und betrügst, dazu
mit Stolz und Überheblichkeit denjenigen abweist,
dem du etwas geben und schenken solltest. Wenn also
Elend und Trübsal endlich bei dir eingezogen sind und
du niemanden kennst, dem du dein Leid klagen kannst,
so willst du es vielleicht in den Himmel schreien! Hüte
dich davor, so sage ich erneut, mehr als vor dem Teufel
selbst; denn solches Jammern und Rufen wird nicht als
Scherz aufgefasst, sondern eine Wirkung haben, die dir
und aller Welt zu schwer werden wird. Denn es wird
Gott hören, der sich der armen, betrübten Herzen an-
nimmt und nichts ungerächt lassen will. Verachtest du
es aber und trotzt, so siehe, wen du erzürnt hast; wird
es dir aber gelingen und gut gehen, sollst du Gott und
mich vor aller Welt Lügner schelten.
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