Page 65 - Was will Gott_Neat
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dern, besonders da, wo er Geld oder Lohn bekommt.
                Wer nun solches mutwillig verachtet, kann hier
            vielleicht der weltlichen Strafe entgehen, wird aber
            Gottes Zorn und Strafe nicht entgehen, und wenn er
            auch eine Zeit lang seinen Mutwillen treibt, schließlich
            doch ein Landstreicher und Bettler werden und noch
            von allerhand Unglück geplagt werden. Jetzt lebst du
            deine Tage dahin, und anstatt, dass du Hab und Gut
            deines Herrn oder deiner Herrin bewahrst, stopfst du
            dir deinen Hals und deinen Bauch voll und erhältst dei-
            nen Lohn wie ein Dieb und lässt dich dazu noch wie ein
            großer Edelmann feiern. Es gibt viele, die den Willen
            ihrer Herren und Herrinnen missachten und die sich
            nicht bemühen, einen Schaden zu verhüten. Sieh aber,
            welchen Nutzen du davon hast. Es wäre möglich, dass,
            wenn du dir selbst Eigentum erwirbst und du dann in
            deinem  Hause  sitzt,  Gott  allerlei  Unglück  über  dich
            kommen und es dich vergelten lässt; falls du etwas ge-
            stohlen oder jemandem einen Schaden zugefügt hast,
            dass du es 30-fach bezahlen musst. Ebenso soll es Hand-
            werkern und Schwarzarbeitern gehen, von denen man
            jetzt auch unlautere Sachen hört und ertragen muss.
            Sie tun so, als seien sie die großen Herren und könnten
            über alles verfügen und jeder müsste ihnen geben, soviel
            sie auch fordern.
                Lasse die nur getrost fordern, solange sie können;
            Gott wird sein Gebot nicht vergessen und sie auch be-
            lohnen, wie sie es verdient haben und sie nicht an einem
            grünen, sondern an einem dürren Galgen aufhängen,
            damit sie ihr Leben lang nicht gedeihen. Wenn es eine
            richtige, geordnete Regierung im Land gäbe, könnte
            man solchen Mutwillen bald steuern und abwehren,
            wie es früher bei den Römern gewesen ist, als man sol-
            che  schnell fasste und andere dadurch  abgeschreckt


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