Page 68 - Was will Gott_Neat
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Wir haben genug gemahnt, gewarnt und abge-
           wehrt; wer nicht darauf achten und es nicht ergreifen
           will, den lassen wir gehen, bis er es erfährt. Doch man
           muss das junge Volk so lehren, sich davor  zu hüten,
           diesem unbändigen Haufen nachzulaufen, und ihnen
           Gottes Gebot vor Augen führen, damit Gottes Zorn
           und Strafe nicht über sie kommt. Unsere Aufgabe ist
           es, davon zu reden und mit Gottes Wort zu strafen. Um
           einen solchen öffentlichen Mutwillen zu steuern, ge-
           hören Herren und Obrigkeit dazu, die es selbst sehen
           und den Mut haben, Ordnung herzustellen und den
           Handel zu überwachen, damit Armut das Land nicht
           beschwert und erdrückt und sie sich nicht mit fremden
           Sünden beladen.
               Es ist nun genug davon geredet, was stehlen heißt.
           Man soll es nicht so eng auslegen, sondern es so weit
           gehen lassen, wie wir es mit dem Nächsten zu tun ha-
           ben. Zusammengefasst geht es bei den vorhergehenden
           Geboten darum: Erstens ist es verboten, dem Nächsten
           Schaden und Unrecht anzutun – auf welche Weise es
           auch immer geschehen mag – dass man Hab und Gut
           des Nächsten verringert, dass man ihm etwas vorent-
           hält oder wegnimmt, auch nicht darin einwilligt und
           es erlaubt, sondern es abwehrt und verhütet. Zum an-
           dern ist es geboten, des Nächsten Gut zu fördern und
           gedeihen zu lassen und, wo er in Not ist, zu helfen, zu
           teilen und ihm das, was er benötigt, vorzustrecken, egal
           ob er Freund oder Feind ist. Wer nun gute Taten tun
           möchte, wird hier reichlich Möglichkeiten finden, die
           Gott von Herzen angenehm sind und ihm gefallen und
           die er auch noch mit reichem Segen versieht und über-
           schüttet. Was wir unserm Nächsten zum Nutzen und
           aus Freundschaft tun, soll reichlich vergolten werden,
           lehrt auch der König Salomon Spr. Sal. 19,17: „Wer


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